Christliches Menschenbild als ein Maßstab des politischen Handelns
Gesprächsabend mit dem ehemaligen Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl
Von Sandra Blaß
„Christsein in der Politik“, mit diesem nicht ganz einfachen Thema beschäftigte sich die Evangelische Studierendengemeinde in einer Veranstaltung an der Universität. Und wer könnte darüber besser Auskunft geben, als Bayreuths Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl, nicht zuletzt deshalb, weil er einer Partei angehört, die das „C“ im Namen hat? In einem lockeren und interessanten Gespräch mit Studierendenpfarrer Dr. Peter Hirschberg ging Hohl in erster Linie auf einige kommunalpolitische Beispiele ein, ohne jedoch auch die Bundespolitik aus den Augen zu verlieren. Der Weg des Oberbürgermeisters zur Politik begann bereits in seiner Jugendzeit. Seine Devise lautet auch heute noch: Nicht beobachten und meckern, sondern selbst aktiv sein. So hat er dann auch für den Posten des Stadtoberhaupts in Bayreuth kandidiert, den er schließlich im Jahr 2006 antrat. Selbst in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen und in einer ökumenischen Ehe lebend, ist ihm bei seinem politischen Handeln in erster Linie das christliche Menschenbild wichtig. Das bedeutet für Hohl, dass der Mensch zwar frei und selbstverantwortlich ist, gleichzeitig aber in Verantwortung vor Gott und den Mitmenschen steht. Auch bei den nicht ganz einfachen Themenbereichen Asylrecht und Migranten dürfe jenes christliche Menschenbild nicht außer Acht gelassen werden: „Respekt und Toleranz gegenüber den anderen Kulturen gehören einfach zum christlichen Menschenbild dazu“, so Hohl, „aber ebenso müssen wir diese Werte natürlich auch von den anderen Kulturen einfordern.“ Die Asylpraxis in Bayreuth bezeichnet Hohl als eine schwierige Frage, denn das Asylrecht läge nicht bei der Stadt, sondern beim Freistaat Bayern. Auch eine gute gelebte Ökumene liegt dem Oberbürgermeister am Herzen. So gibt es bereits seit einiger Zeit eine regelmäßige ökumenische Gesprächsrunde, bei der nicht nur der katholische und evangelische Dekan vertreten sind, sondern zum Teil auch der Vorsitzende der israelitischen Kultusgemeinde. Zur Bundespolitik bemerkte Hohl, dass sich die Kirche sehr wohl einmischen dürfe, sofern bestimmte Handlungsweisen nicht mit den christlichen Grundsätzen vereinbar seien. Am Ende hatten die Besucher dann selbst die Gelegenheit, mit dem Stadtoberhaupt ins Gespräch zu kommen. Da kamen dann nicht nur der Missbrauch des christlichen Menschenbildes und politisches Engagement zur Sprache, sondern auch Themen wie Demokratie und Bewahrung der Schöpfung. Bei einigen spontanen Fragen von Studierendenpfarrer Dr. Peter Hirschberg an den Oberbürgermeister wurde es schließlich noch einmal persönlich: So bezeichnete Hohl beispielsweise den Tristanbrunnen als seine größte Niederlage und seine beiden Kinder als größten Erfolg.

